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Nobelförsamlingen
Karolinska Institutet
PRESSEMITTEILUNG 9.10.2000
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Die Nobelversammlung an Karolinska Institut hat heute beschlossen,
den Nobelpreis des Jahres 2000 in Physiologie oder Medizin
Arvid
Carlsson,
Paul
Greengard und
Eric Kandel
gemeinsam für ihre Entdeckungen betreffend
"Signalübertragung im Nervensystem"
zu verleihen
ZUSAMMENFASSUNG
Im Hirn des Menschen gibt es mehr als hundert Milliarden
Nervenzellen. Sie stehen durch ein außer ordentlich kompliziertes
Netzwerk von Nervenfasern miteinander in Verbindung. Botschaften von
einer Nervenzelle zu einer anderen werden mit Hilfe verschiedener
Signalsubstanzen übertragen. Diese Signalübertragung erfolgt in
besonderen Kontaktpunkten, den Synapsen. Eine einzige Nervenzelle kann
Tausende von Kontaktpunkten zu anderen Nervenzellen haben.
Die diesjährigen drei Nobelpreisträger in Physiologie oder Medizin haben
bahnbrechende Entdeckungen betreffend eine bedeutungsvolle Art der
Signalübertragung zwischen verschiedenen Nervenzellen gemacht, die
sogenannte langsame synaptische Transmission. Diese Entdeckungen waren
entscheidend für das Verständnis der normalen Hirnfunktionen und wie
Störungen dieser Signalübertragung neurologische und psychische
Krankheiten verursachen können. Diese Erkenntnisse haben dann zur
Entwicklung neuer Arzneimittel geführt.
Arvid Carlsson, Farmakologiskainstitutionen, Göteborgs
Universität, wird belohnt für seine Entdeckung des Dopamins als
Signalsubstanz im Hirn und die große Bedeutung des
Dopamins für die Kontrolle unserer Bewegungen. Seine
Forschungsergebnisse führten dann weiter zu der Erkenntnis, dass die
Parkinsonsche Krankheit durch Dopaminmangel in bestimmten Teilen des
Hirns verursacht wird, und dass man ein effektives Arzneimittel (L-dopa)
gegen diese Krankheit herstellen konnte. Arvid Carlsson hat eine Reihe
von Folgeentdeckungen gemacht, die die Rolle des Dopamins im Hirn noch
weiter charakterisiert.. Er hat u.a. Wirkungsmechanismen für
Arzneimittel nachgewiesen, die bei der Behandlung von Schizophrenie
verwendet werden.
Paul Greengard, Laboratory of Molecular and Cellular
Neuroscience, Rockefeller University, New York, wird belohnt für seine
Entdeckung der Einwirkungen von Dopamin und einer
Reihe anderer Signalsubstanzen auf das Nervensystem. Die
Signalsubstanzen beeinflussen zuerst einen Rezeptor auf der
Nervenoberfläche. Dadurch wird eine Kaskade von Reaktionen ausgelöst,
die gewisse
„Schlüsselproteine" beeinflussen, die ihrerseits verschiedene
Funktionen in der Zelle regulieren. Form und Funktion der Proteine
verändern sich durch Hinzufügen oder Wegnahme von Phosphatgruppen
(Phosphorylierung bzw. Dephosphorylierung). Durch diesen Mechanismus
können die Signalsubstanzen ihre Botschaft zwischen den Nervenzellen
übertragen.
Eric Kandel, Center for Neurobiology and Behavior, Columbia
University, New York, wird belohnt für seine Entdeckung, wie die
Effektivität der Synapsen verändert werden kann und mit welchen
molekularen Mechanismen das erfolgt. Anhand des Nervensystems einer
Meeresschnecke als Modell, hat er gezeigt, dass Veränderungen der
Funktion der Synapsen zentral für Lern- und Erinnerungsvermögen sind.
Für die Entstehung einer Form von Kurzzeitgedächtnis spielt die
Phosphorylierung in der Synapse eine wichtige Rolle.
Für die Entstehung eines Langzeitgedächtnisses ist
außerdem die Neubildung von Proteinen erforderlich, die u.a. dazu
führen, dass sich Form und Funktion der Synapse ändern.

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