Die Zwei-Komponenten-Theorie
Im Organismus als Gesamtheit wie auch in jeder einzelnen Zelle
besteht ein Gleichgewicht (Homöostase) zwischen Kräften, die Material
zur Energiegewinnung abbauen, und solchen, die aus Energie und Substrat
Material aufbauen, bestehen muss. Bekommen letztere das
Übergewicht (Typus Fettleibiger), dann wächst die Zelle zuviel; sie hat
aber zuviel Energie (daher sind die Dicken meist auch Müde). Im
umgekehrten Falle verliert der Organismus Substanz und verzehrt sich
sozusagen vor lauter Aktivität (Typus Basedow). Man nennt die ersteren
Kräfte anabole, aufbauende,
und die letzteren katabole,
abbauende.
Zu den anabolen Kräften gehören das Wachstumshormon, welches in der
Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet wird; es gehören dazu die
Sexualhormone aus der Keimdrüse und das Insulin. Zu letzteren, den
katabolen Kräften, gehören die beiden Schilddrüsenhormone T3 und T4
sowie das Kortisol aus der Nebennierenrinde.
Endokrines Gleichgewicht
Sowohl die einzelne Zelle als auch der gesamte Organismus versuchen
also, im Gleichgewicht zwischen aufbauenden und abbauenden, zwischen
anabolen und katabolen Kräften zu bleiben. Dieses Gleichgewicht ist auf
Grund unserer Vergangenheit, unserer Vorgeschichte als Jäger und
Sammler, auf ein gewisses Maximalmaß an Kohlenhydraten in der Nahrung
und damit auf ein Maximum an Insulin eingestellt. Insulin gehört als
fettaufbauendes Hormon zu den anabolen Substanzen.
Insulin die Ursache der Fettsucht
Wird die Menge an Kohlenhydraten, mit denen unsere Organismus aus der
Jäger- und Sammler-Zeit rechnet, überschritten, dann bekommt die anabole
Seite Übergewicht, das der Körper ausgleichen muss. Dieser Ausgleich
kann dadurch erfolgen, dass die übrigen anabolen Hormone (das
Wachstumshormon und die Sexualhormone) zurückgenommen werden, so dass
die anabole Seite der katabolen wieder angeglichen wird. Weniger
Wachstumshormon wirkt sich vor allem auf das Immunsystem (die
Infektabwehr), auf die Muskulatur, Knorpel und Knochen und auf die
Arterien ungünstig aus.
Wachstumshormon ist aber nicht der einzige endokrine Faktor, der bei
überhöhter Insulinproduktion in zu geringem Umfang gebildet wird.
Vielmehr ist die Entwicklung der gesamten hypophysären Aktivität
verlangsamt, so dass auch die Produktion der von der Hypophyse
gebildeten Gonadotropine verspätet einsetzt. Fette Jugendliche, die
zuviel Insulin haben, kommen daher spät in die Pubertät. Sie haben
gegenüber Gleichaltrigen weniger Scham- und Achselhaare, einen kleineren
Penis und kleinere Hoden. Bei Mädchen ist das Auftreten der Menses und
die Entwicklung der Brust verzögert, vielleicht auch diejenige der
Gebärmutter behindert. Weil der wichtige Impuls für die
Wachstumshormonsynthese fehlt, bleibt die ganze Hirnanhangsdrüse im
Zustand der Inaktivität, bzw. sie aktiviert sich nur langsam.
Schließlich und endlich will die Natur aber ihr Recht haben. Sie
will, dass der Jugendliche geschlechtsreif wird, was sie durch Reifung
der Keimdrüsen erreicht. Die Keimdrüsenhormone sind aber vorwiegend
anabol; sie belastet nach der Zwei-Komponenten-Theorie die anabole Seite
des Stoffwechsels zusätzlich. Jetzt gelingt der Ausgleich allein durch
Adaption der anabolen Seite nicht mehr. Die katabole Seite muss mit ins
Spiel gebracht werden, d.h. es müssen die Spiegel der dort wirksamen
Hormone, nämlich der Nebennierenrinde (Kortisol) und der Schilddrüse
(T3,T4) angehoben werden, damit der Hormonhaushalt im Gleichgewicht
bleibt.
Man sieht dies sowohl bei Jugendlichen in der Pubertät als auch bei
der Schwangeren, bei der eine Sexualhormonschwemme zum Schutz der
wachsenden Frucht einsetzt, an einer Vergrößerung der Schilddrüse. Sie
muss wachsen, um dem erhöhten Bedarf der katabolen Seite zum hormonalen
Ausgleich zu entsprechen.
Das Spiel unserer Hormondrüsen, welches den Stoffwechsel regulieren,
funktioniert eben nur unter den Bedingungen des
Ur-Menschen wirklich optimal, dass heißt dann: ein
"Leben im Optimum"
