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Schwacher Geist im schwachen Körper?
Die Mehrzahl der Menschen zeigt sich nicht
gesundheitsbewusst
Bei Untersuchungen über das
Gesundheitsbewusstsein der Beschäftigten hat der Bochumer
Psychologie-Professor Wolfram Reulecke vier so genannten „Cluster“
ermittelt, die unterschiedliche Personengruppen und ihr
Gesundheitsbewusstsein verkörpern:
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Desinteressierte
Desinteressierte
sind in ihrem Denken und Tun nur wenig an Gesundheit interessiert;
sie zeigen zudem nur eine eher geringe subjektive Verantwortlichkeit
für ihre eigene Gesundheit und bewerten in der Regel die Kosten
gesundheitsorientierter Verhaltensweisen weitaus höher als ihren
Nutzen. Etwaige sportliche Aktivitäten werden nicht mit Gesundheit
oder Wohlbefinden, sondern eher mit Wettkampf in Verbindung
gebracht.
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Emotio-Aktional-Interessierten
In der Gruppe der so genannten
„Emotio-Aktional-Interessierten“ spielen gefühls- sowie
handlungsbetonte Komponenten eine wichtige Rolle, gedankliche
Beschäftigung und Nachdenken über Gesundheit dagegen kaum. Das
gesundheitsorientierte Verhalten dieser Gruppe ist zudem auch nicht
stabil, da sie zwar leicht für Sport und Bewegung zu begeistern
sind, sich dabei aber unstet und modeabhängig zeigen — „heute
Aerobic, morgen Callanetics, Hauptsache, es macht Spaß ...“
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Intentionsorientierte
Diese Personengruppe lässt sich am griffigsten
mit dem bekannten Sprichwort vom widersprüchlichen Verhältnis
zwischen Wollen und Verhalten beschreiben: So sind die
Intentionsorientierten zwar prinzipiell an einer gedanklichen
Auseinandersetzung mit gesundheitsrelevanten Themen interessiert,
lassen dabei auch starke Absichten in Richtung eines
gesundheitsorientierten Verhaltensweisen erkennen — die jedoch kaum
verwirklicht werden. Die Kosten gesundheitsorientierter
Verhaltensweisen werden höher eingeschätzt als deren Nutzen.
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Ausbalancierte
Diese Gruppe ist durch eine gleichermaßen hohe
Ausprägung aller Komponenten des Gesundheitsbewusstseins
gekennzeichnet: in ihrem gesundheitsbezogenen Denken, Fühlen und
Handeln zeigen sie sich gleichermaßen gesundheitsbewusst. Dies wird
noch verstärkt durch die Tatsache, dass die subjektive
Verantwortlichkeit für die eigene Gesundheit stark ausgeprägt ist. |
Wichtige empirische Anhaltspunkte über die zahlen
mäßige Verbreitung der jeweiligen „Gesundheits-Typen“ liefert eine
Studie der Psychologin Claudia Pohle mit fast 400 Teilnehmern über das
Gesundheitsbewusstsein von Büro-Angestellten. Demnach verhält sich mit
einem Anteil von genau 20,1 Prozent an „Ausbalancierten“ nur jeder
Fünfte gesundheitsbewusst. Betrachtet man die knapp 18 Prozent der
„Emotio-Aktionalen“ als zumindest teilweise noch gesundheitsbewusst,
bilden die beiden anderen Gruppen mit jeweils über 30 Prozent unter
gesundheitspsychologischen Vorzeichen dagegen eine problematische
Mehrheit.
Quelle: PSYCHOLOGIE
HEUTE JULI 1995, Seite 48

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