Sowie einige weitere Faktoren:
Hormonelle Einflussfaktoren
Östrogen, das weibliche Geschlechtshormon, hat eine
gefäßschützende Wirkung Bei Frauen tritt die koronare
Herzkrankheit im Durchschnitt mindestens 10 Jahre später auf als bei
Männern, da Frauen bis zu den Wechseljahren durch einen hohen
Östrogenspiegel geschützt sind. Er beeinflusst vor allem den
Fettstoffwechsel positiv.
Stress
Ständige "Alarmbereitschaft" im Körper steigert den Blutdruck
und verschlechtert den Stoffwechsel. Die Fettwerte, der
Zuckerspiegel und die Konzentrationen einzelner
Gerinnungsfaktoren sind ungünstig erhöht. Damit verschlechtern sich
die Risikofaktoren für die KHK weiter. Auch das Ernährungsverhalten und
der Genussmittelkonsum (Kaffee, Alkohol, Nikotin) sind bei Stress in der
Regel für den Krankheitsverlauf ungünstig.
Zuckerkrankheit
Die Zuckerkrankheit (Diabetes
mellitus) verändert den Stoffwechsel ungünstig im Hinblick auf
das Arteriosklerose-Risiko, die Spiegel bestimmter Fette im Blut sind
bei Zuckerkrankheiten oft gesteigert. Zuckerkranke haben zudem häufig
einen hohen Blutdruck, der das Risiko einer KHK erhöht.
Besonders gefährdet sind Diabetiker, weil sich die Stoffwechselstörung
auch auf Nervenfasern des autonomen Nervensystems auswirkt. Zu
diesen Nervenfasern zählen auch diejenigen, die den Schmerz des
Angina-pectoris-Anfalls vermitteln. Die Nerven werden durch hohe
Zuckerspiegel geschädigt ("diabetische Neuropathie").
Diabetes und Herz
Übergewicht
Ein zu hohes Körpergewicht zählt ebenfalls zu den Risikofaktoren für
die koronare Herzerkrankung, da es zu einer vermehrten Herzbelastung
führt.
Aber nicht allein die Menge an Körperfett, auch seine Verteilung
auf den Körper gibt Aufschluss über das koronare Risiko. So gilt
eine eher „weibliche“ Fettverteilung mit Betonung der Hüften und
Oberschenkel als weniger gefährlich als das typisch „männliche“
Fettverteilungsmuster, bei dem sich das überschüssige Fettgewebe vor
allem in der Bauchregion findet.
Familiäre Belastung (Veranlagung)
Selbst bei gesunder Lebensweise und Abwesenheit der Risikofaktoren
Rauchen, Stress, (Übergewicht) kann eine koronare Herzkrankheit in
Erscheinung treten. Eine Veranlagung zur KHK ist sehr wahrscheinlich,
wenn gehäufte Krankheits- und Todesfälle, v.a. schon im jüngeren Alter
in der nahen Verwandtschaft (v.a. Verwandte 1. Grades)
auftreten bzw. –traten. Umso wichtiger ist es, die übrigen
Risikofaktoren auszuschalten oder zu behandeln. Beispiel: Beim
Cholesterinspiegel müssen strengere Grenzen beachtet werden, auch der
Blutdruck und etwaiges Übergewicht sind strenger zu behandeln.
Ungünstige Stoffwechselsituation
Auch ein zu hoher Homocystein-Spiegel kann das Risiko
für die koronare Herzerkrankung erhöhen. Homocystein ist eine
schwefelhaltige, nicht in der Nahrung vorkommende Aminosäure
(Eiweißbaustein). Sie entsteht als Zwischenprodukt beim Abbau der
Aminosäuren Methionin zu Cystein. Bei einer Homocysteinkonzentration von
mehr als 20 mikromol/l wurde häufiger eine Arteriosklerose beobachtet.
Der Zusammenhang mit Homocystein wird darin gesehen, dass dieses
Zwischenprodukt die Gefäßinnenhaut schädigt, die Oxidation des
LDL-Cholesterins und das Zusammenballen der Blutplättchen fördert.
Bluthochdruck als Risikofaktor der
koronaren Herzkrankheit
Der hohe Blutdruck steigert die mechanische Belastung der
Arterien, sodass Gefäßwand-Verletzungen schneller eintreten.
Von Bluthochdruck ist zu sprechen, wenn mindestens drei Messungen in
Ruhe bei mindestens zwei Gelegenheiten einen erhöhten Wert ergeben.
Dabei gilt nach WHO als
Grenzbereich:
140 mm Hg systolischer (oberer) Wert
90 mm Hg diastolischer (unterer) Wert.
Definitiver Bluthochdruck:
160 mm Hg systolisch
95 mm Hg diastolisch.
Hoher Blutdruck in den Arterien erhöht auch die Herzarbeit
–das Herz muss gegen einen ständig erhöhten Druck in den Arterien
anarbeiten. Als Folge verdickt sich der Herzmuskel, der Sauerstoffbedarf
wird höher, die Differenz zwischen Sauerstoffangebot (vermindert) und
–bedarf (erhöht) wird größer.
Das Risiko, eine KHK zu entwickeln, ist für Patienten mit hohem
Blutdruck gegenüber Menschen mit normalem Blutdruck um 10-30% erhöht.
Wird der Blutdruck in den Normbereich gesenkt, verbessert sich die
Lebenserwartung um 20%.
Rauchen als Risikofaktor der koronaren
Herzkrankheit
Nikotin bewirkt eine Engstellung der Gefäße und hat damit
ähnliche Wirkungen wie hoher Blutdruck. Die Tabaksinhaltsstoffe
verschlechtern den Stoffwechsel.
Raucher haben einen höheren
LDL-Cholesterin-Spiegel, einen höheren Verbrauch an Antioxidantien,
der oftmals nicht gedeckt wird, so dass die LDL-Oxidation gefördert
wird. Der Spiegel an bestimmten Gerinnungsstoffen (Fibrinogen,
Blutplättchen) ist ebenfalls erhöht, was zusätzlich zum erhöhten Risiko
beiträgt. Das Risiko für Raucher, eine KHK zu entwickeln, liegt deshalb
deutlich höher als für Nichtraucher.
Das Risiko, vor dem 50. Lebensjahr einen Herzinfarkt zu
erleiden, erhöht sich durch Rauchen einer Packung Zigaretten pro Tag um
das 3- bis 5-Fache.
Wird bei eingetretener KHK das Rauchen beendet,
vermindert sich die "Sterberate" um 50%. Wer das Rauchen vor dem 35.
Lebensjahr aufgibt, hat keine verminderte Lebenserwartung. Rauchverzicht
vermindert innerhalb von 2 Jahren, also innerhalb eines relativ kurzen
Zeitraums, das Risiko messbar, es sinkt mit zunehmendem Abstand vom
"Entwöhnungstermin" bis auf Normalwerte ab.
Frauen, die rauchen, haben ein besonders hohes
Risiko für Gefäßerkrankungen, wenn sie gleichzeitig die
Antibabypille einnehmen.
Erhöhte Blutfette als Risikofaktor
der koronaren Herzkrankheit
Der Gesamt-Cholesterinspiegel umfasst das LDL- und das
HDL-Cholesterin (HDL-C). Unter den verschiedenen 'Blutfetten' ist die
Höhe des LDL-Cholesterinspiegels für die Entstehung der koronaren
Herzkrankheit entscheidend.
Das HDL-C schützt die Gefäße, so dass ein hoher HDL-C-Spiegel günstig
ist. Weil er sich ebenfalls innerhalb des Gesamtcholesterinspiegels
niederschlägt, sagt das Gesamtcholesterin noch nichts über das
Arteriosklerose-Risiko aus. Hierzu muss das Verhältnis zwischen
ungünstigen LDL-C und herzschützendem HDL-C ermittelt werden.
LDL-Cholesterin ist in seiner oxidierten ("ranzig
gewordenen“) Form gefährlich, da es Ziel von Abwehrzellen des
Immunsystems wird. Daraufhin nehmen bestimmte Immunzellen, die
sogenannten Fresszellen, das LDL-C auf, gehen bei dessen Beseitigung
aber selbst zugrunde und bilden dabei fettige "Schaumzellen", die Kalk
einlagern können (daher "Gefäßverkalkung"). Dabei findet eine
entzündliche Reaktion in der Gefäßwand statt. Die Entzündung führt
zur Schwellung, im Inneren eines Gefäßes zur Verengung, und zur
Narbenbildung. Damit ist die Innenwand nicht mehr glatt und gibt Anlass
zu Wirbelbildung in der Blutströmung. Die Wirbelbildung führt an diesem
Ort zusätzlich zu Blutgerinnungsstörungen. Der
Zerstörungsprozess in der Gefäßwand schreitet fort, weitere Gerinnsel
lagern sich an.
Das Risiko, das vom Cholesterin im Blut ausgeht, muss
unterschiedlich eingeschätzt werden, je nachdem, ob weitere
Risikofaktoren für eine KHK vorliegen:
Es lassen sich drei Patientengruppen bilden:
Gruppe 1: Gesunde Menschen ohne weitere
Risikofaktoren für Herz und Gefäße: Hier sollte das LDL-Cholesterin
unter 160 mg/dl liegen.
Gruppe 2: Bisher Gesunde, bei denen aber einer oder
mehrere der genannten Risikofaktoren zutreffen. Bei ihnen sind folgende
Grenzwerte zu empfehlen: Gesamt-Cholesterin unter 200 mg/dl (ohne
Behandlung eher selten!) LDL-Cholesterin unter 130 mg/dl.
Gruppe 3: Patienten mit bereits eingetretener
Gefäßkrankheit: Hier ist dringend zu empfehlen, den
LDL-Cholesterinspiegel unter 100 mg/dl zu senken.
Jeder vierte Mann erleidet innerhalb von 8 Jahren eine
Herzkrankheit, wenn das Verhältnis LDL:HDL –Cholesterin größer als 5
ist, und der Triglyceridspiegel über 200 mg/dl liegt.
Was
verbessert den Cholesterinspiegel?
