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Die Kehrseite der Medaille: Der Jojo-Effekt
Ein Amerikaner namens Georg F. Cahill jr. hat im Zweiten
Weltkrieg Studenten, die sich nicht zum Militär einberufen lassen
wollten, eine Hungerkur unterzogen und festgestellt, dass im Hunger
Azeton in der Atemluft und im Urin auftreten kann, was an sich ja schon
bekannt war.
Für Patienten unter "Null-Diät"
hat man genaue Stoffwechseluntersuchungen unterworfen und dabei
festgestellt, dass das Gehirn tatsächlich, nicht nur von Glukose
(Traubenzucker), sondern auch von so genannten Ketonkörpern leben kann.
Hierzu unterbricht der Körper den Abbau der
Fettsäuren auf der Stufe der Ketonkörper, die er
anspruchsvolleren Organen, beispielsweise dem Gehirn und gewissen
Blutzellen, der Herzmuskel bevorzugt sie sogar, anbietet.
Das Auftreten der so genannten Ketonkörper
(Azeton, Betaoxydbuttersäure und Azetessigsäure) im Urin erklärt sich
damit, dass das Gehirn, das normalerweise von Zucker lebt, im Hunger auf
die Verwertung von Ketonkörpern erst umgestellt werden muss. Diese
Umstellung benötigt einige Wochen, aber dann kann auch im Hunger und im
Kohlenhydratmangel, das Gehirn am Leben und bei Leistung erhalten
werden. In der Zwischenzeit, d.h. bis die Sache mit den Ketonkörper
funktioniert, scheidet der Organismus überschüssige Ketonkörper über den
Urin aus, was mit hohem Wasserverlust verbunden ist. Gleichzeitig
verliert der Körper im Hunger in den ersten Wochen vor allem auch
Muskelgewebe, denn um das Gehirn, bis die Umstellung auf die Versorgung
mit Ketonkörper abgeschlossen ist, mit Glukose zu versorgen, wird der
Zucker über die so genannte Glukoneogenese
aus Eiweiß auf recht kostspielige Art erzeugt:
 | 1 Gramm Traubenzucker (Glukose) kostet auf diese Art nämlich 1,8
Gramm Eiweiß (Protein), was den Abbau von 9 Gramm Muskulatur oder
Bindegewebe voraussetzt. |
Es ist verständlich, dass die Natur versucht, den Stoffwechsel im
Hunger möglichst rasch von der Glukoneogenese auf die Verbrennung von
Fett und damit das Gehirn auf Ketonkörper umzustellen. Dennoch reicht
der Zeitraum für die so genannten "Crash-Diäten" oder Fastenkuren
nicht aus und hat fatale Folgen, vor allem dann, wenn man diese häufig
durchführt.
Nicht
ungestraft wird ständig Eiweiß in Zucker verwandelt. Es ist, wie wenn
sich jemand nicht nur mal notfalls, sondern ständig Geld borgen muss;
zuletzt fressen ihn die Zinsen auf. Kürzlich entdeckte man, dass
proteinreiche, ketonische Schnell-Diäten eine Veränderung der
Fettzellen verursachen können, indem Sie die Fettabsonderung um ein
Zehnfaches des vor der Diät bestehenden Zustandes erhöhen. Wenn Sie die
Diät beenden, häufen Sie mit erschreckender Geschwindigkeit zusätzliches
Fett an, der bekannte Jojo-Effekt
setzt ein.
Theoretisch ist natürlich alles in Ordnung, so lange man seine Zinsen
bezahlt und das geliehen Geld wieder zurückgibt. Solange die
Eiweiß-Depots bei der nächsten Mahlzeit wieder aufgefühlt werden können,
bleiben wir im Eiweißgleichgewicht. Dies ist jedoch mit den Eiweißmengen
von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, wie es die Deutsche
Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, nicht zu erreichen.
Stellen Sie sich einmal vor, es würde Ihnen jede Nacht jemand ein
Stück aus Ihrer Hausmauer herausreißen und tagsüber das Loch nicht
wieder zumachen.

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