Wie Zucker letztlich auf das Gehirn und
auf unsere Stimmungen wirkt, hängt von vielen verschiedenen Größen ab,
die wir ins Kalkül ziehen müssen, wenn wir diese mächtige Droge optimal
einsetzen wollen: Der bereits vorhandene Blutzuckerspiegel, Zeitpunkt
und Qualität der letzten Mahlzeit, der individuelle Stoffwechsel, das
aktuelle Stressniveau und vieles andere.
Komplexere Kohlehydrate (Äpfel,
Vollkornreis) wirken beruhigend, entspannend und manchmal geradezu
stimmungsaufhellend, wenn sie nicht in Kombination mit gesättigten Fetten
(Fleisch, Käse) gegessen werden. Kohlehydrate aus liefern eine wichtige
Aminosäure namens Tryptophan, die „bevorzugten Zugang“ zum Gehirn hat und
dort zum Stimmungs-Hormon Serotonin aufgebaut wird. In ihrer Studie „The
Serotonin Solution“ konnte die Ernährungsforscherin Judith Wurtman zeigen,
dass Frauen, die unter dem Prämenstruellen Syndrom (PMS) leiden, in einer
Art Selbst-Medikation bevorzugt und in großen Mengen Kohlehydrate zu sich
nahmen, um die Symptome erfolgreich zu lindern.
Anscheinend wirkt alles, was wir tun, gleichzeitig auf Körper und
Seele.
Maßvolle körperliche Bewegung etwa oder vorsichtig dosierte Sonnenbäder
wirken gleichzeitig blutdrucksenkend und stimmungsaufhellend. Und wenn
jemand eine Tafel Schokolade isst, schnellt einerseits der
Blutzuckerspiegel nach oben, so dass die Bauchspeicheldrüse vermehrt
Insulin produzieren muss, andererseits sorgen Endorphine für seelische
Entspannung.
In vielen Fällen hat das, was immer noch von vielen Ärzten vorschnell
als „bloß psychisch“ abgetan wird, eine klar nachweisbare Ursache, die
keineswegs in der unglücklichen Kindheit des Patienten zu suchen ist. So
steigt unter Ernährungswissenschaftlern die Zahl derjenigen, die überzeugt
sind, dass schlechte Ernährung nicht nur dick macht, sondern auch
hyperaktiv, schizophren oder kriminell. Der amerikanische Arzt Benjamin
Feingold ortete schon 1974 Salicylate, wie sie in vielen Früchten und auch
in Aspirin enthalten sind, und synthetische Aroma- und Farbstoffe als
Auslöser für Hyperaktivität bei Kindern.
Carl C. Pfeiffer vom Princeton Brain Bio Center macht vor allem fünf
keineswegs in der Psyche der Patienten angesiedelte Faktoren für
Schizophrenie-Symptome verantwortlich:
ein
zu niedriger Histaminspiegel im Blut (Histapenie). Typische Symptome:
Paranoia, Halluzinationen, Wahrnehmungsstörungen.
ein zu hoher Histaminspiegel im Blut (Histadelie).
Symptome:
Selbstmordgedanken, abnorme Befürchtungen, Depressionen.
Kryptopyrrol
im Urin (Pyrollurie). Kryptopyrrol besteht aus Pyrrol, einem Baustein des
Hämoglobins, Vitamin B und Zink. Symptome: Wahrnehmungsstörungen,
Depression mit Selbstmordgedanken, Impotenz.
abnorm
niedriger Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie). Symptome:
Wahrnehmungsstörungen, Schwindelgefühle, rasche Ermüdbarkeit etc.
allergische
Störungen der Gehirnfunktionen durch Nahrungsmittel oder Chemikalien
(zerebrale Allergien). Symptome: Wahrnehmungsstörungen, manisch-depressive
Stimmungsschwankungen, Suchtverhalten.
Alle diese Störungen behandelt Carl Pfeiffer erfolgreich nicht mit
Psychotherapie, sondern vor allem mit gesunder Ernährung, (zum Teil
hochdosierten) Vitamin- und Mineralpräparaten und Allergiebehandlung.
Sobald sich auf diese Weise die abnormen Blut- und Urinwerte
normalisieren, vergehen auch die „psychischen“ Symptome.
Der Wiesbadener Umweltmediziner Harold H. Markus weiß von zahlreichen
Fällen zu berichten, in denen Symptome, die auf den ersten Blick in
psychiatrische Obhut gehört hätten, sich bei näherem Hinsehen als
allergischer Natur erweisen: Depressionen durch Maisallergie verursacht,
Konzentrationsstörungen durch Pilzerkrankungen des Darmes, Reizbarkeit
durch Schwermetalle und andere Umweitgifte.
Oft irren die Patienten jahrelang hilfesuchend von einem Arzt zum
nächsten, bis sie schließlich beim Psychologen landen — der ihnen
natürlich ebenso wenig helfen kann wie seine zuvor konsultierten
„somatisch“ orientierten Kollegen, da der wahre Grund der Krankheit die
Allergie ist.
Wir überziehen Äpfel mit Wachs, um sie besser verkaufen zu können; wir
setzen der Nahrung Bakterizide und Fungizide zu; wir setzen bei
Erdbeermarmelade künstliches Aroma ein, um sie schmackhafter zu machen
usw. Diese nahrungsfremden Zusätze werden auch von unseren „weisen“
Wissenschaftlern, den Politikern und Fußballfans geschluckt, und sie
stören die enzymatischen Prozesse der Ernährung und der Energieumsetzung
im Körper. Warum wundern wir uns also, wenn sich die Menschen weder normal
noch weise verhalten?
Literatur
Ernährung und Psyche,
hersg. von Anne Calatin, Verlag C. F. Müller, Karlsruhe 1990
Markus. Harold H. und Finck,
Hans: Umweitmedizin. Scherz Verlag, Bern/München 1991
