Über 150 Millionen Depressive weltweit
Depression - die unterschätzte Krankheit
Wenn
im Herbst die Tage kürzer werden und das Schmuddelwetter einsetzt, kann
das ganz schön auf die Stimmung schlagen. Aber aus solch einem
Stimmungstief kann schnell mehr werden: Depressionen. Familiäre Probleme
oder Stress im Beruf können den Sog in die Schwermut beschleunigen.
Dunkelheit umhüllt die Seele
Wenn Sie zu viel grübeln, Ihnen der Antrieb für alltägliche Aufgaben
fehlt und Sie sich schon seit längerem niedergeschlagen und unglücklich
fühlen, könnten Sie an Depressionen leiden. Weitere typische Anzeichen
sind: Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Interessenverlust,
Freudlosigkeit bis hin zu Selbstmordgedanken.
Eine
typische und gleichzeitig fatale Folge der Schwermut ist, dass sich die
Betroffenen zunehmend von ihrer Umgebung abkapseln. Sie finden sich kaum
noch im normalen Alltag zurecht. Die Einsamkeit wird erdrückend und die
Entscheidung, zum Arzt zu gehen, immer schwerer.
Das Tragische dabei ist, dass Millionen Betroffene dieses einsame
Schicksal teilen. Experten sagen sogar voraus, dass Depressionen sich in
den nächsten Jahren zur Volkskrankheit entwickeln werden. Derzeit leiden
vermutlich etwa fünf Prozent der Bevölkerung an einer depressiven
Störung.
Ungleichgewicht der Botenstoffe
Depressionen haben selten eine
einzige Ursache. Genetische Veranlagung ist ebenso von Bedeutung wie
bestimmte Persönlichkeitsfaktoren und soziale oder psychische
Belastungen. Diese Faktoren können die Biochemie unseres Gehirns
verändern und somit Depressionen auslösen.
Obwohl
die Krankheitsursachen noch nicht völlig verstanden sind, geht man heute
davon aus, dass ein Ungleichgewicht der Botenstoffe in unserem Gehirn
für das Leiden verantwortlich ist: Die chemischen Substanzen, die
Impulse von einer Nervenzelle zur anderen übertragen (wie beispielsweise
Serotonin oder Noradrenalin), kommen in zu geringer Konzentration vor.
Depressionen haben also eine körperliche Ursache und können nicht
durch ein "Sich-Zusammennehmen" überwunden werden.
Schritte aus dem Dunkel
Bei leichten Formen von
Verstimmungen hilft oft schon ein Gespräch mit Freunden und
Verwandten oder mit dem Hausarzt. Aber um den Teufelskreis einer
wirklichen, schweren Depression zu durchbrechen, ist ein mehrwöchiger
Klinikaufenthalt in der Regel unerlässlich. Unter fachärztlicher
Aufsicht kann dann die optimale Dosierung und Zusammenstellung der
notwendigen Medikamente ermittelt werden.
Antidepressiva sollen dabei den gestörten Stoffwechsel des
Gehirns wieder in Ordnung bringen und dafür sorgen, dass die
Signalübertragung zwischen den einzelnen Nervenzellen besser
funktioniert. Verschiedene Medikamente stehen für die Behandlung zur
Wahl: tri- und tetrazyklische Antidepressiva, Selektive
Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder Monamin-Oxidase-Hemmer
(MAO-Hemmer).
Besonders effektiv bei jahreszeitlich ausgelösten Depressionen ist
die Lichttherapie. Die regelmäßige Lichtdosis soll das Gemüt
erhellen, da das Fehlen von Licht in der kalten Jahreszeit als Ursache
der Winterdepressionen angenommnen wird.
Bewegungs- und Beschäftigungstherapie helfen, die seelische
Mauern aufzubrechen und die Gefühle zu verarbeiten.
In ganz schweren Fällen zeigt die so genannte
Elektrokrampftherapie erstaunliche Erfolge. Sie wird aber in
Deutschland eher selten angewandt. Hierbei lösen kurze Stromstöße
künstliche Krampfanfälle aus, wobei der Patient in eine Kurznarkose
versetzt wird und Muskelkrämpfe durch die Gabe eines Muskelrelaxanz
unterdrückt werden.
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