Nach derzeitigem Wissensstand sind
Sonderdiäten zur Normalisierung des Körpergewichts nicht sinnvoll.
Sonderdiäten
wie etwa die Trennkost nach Hay, Milch-Semmeldiät nach Mayr,
"Managerdiät" (fleisch- und salatreich), die Blutgruppendiät und viele
andere schränken die Zahl der verwendbaren Nahrungsmittel stark ein.
Diese Diäten sind wissenschaftlich fragwürdig und insbesondere bei
Patienten mit Vorerkrankungen ohne entsprechende medizinische
Begleittherapie evtl. auch schädlich.
Auch von periodischen Fastenkuren (Heilfasten) über 5 - 30 Tage, die
sich zweifellos auf viele (z.B. autoimmune) Krankheitsbilder positiv
auswirken, wird nach neuen Studien abgeraten: Es ist im Hinblick auf
Lebenserwartung und Krankheitsrisiko besser, konstant übergewichtig
zu sein, als nur für wenige Monate das Normalgewicht zu halten
und dann wieder zuzunehmen.
Statt rabiater Fastenkuren sollte langfristig eine gute
Figur angestrebt werden. Stellen Sie nicht nur Ihre Ernährung um, wenn
Sie Ihre Figur verändern wollen.
Eine Studie von Bennet, W. /
Gurin, J., 1982 und Polivy, J. / Herman, C.P., 1993 zeigen die Risiken
von falscher Diät auf:
Risiken von Diäten
Gibt es die Schlankheitswunderpille?
Die nebenwirkungsfreie Schlankheitspille wird es weder heute noch in
unmittelbarer Zukunft geben. Die Forschung beschäftigt sich zwar
intensiv mit dem Fett-Gen, dem Hormon Leptin, welches das Fettgewebe
reduzieren soll, über die neue Substanz Orlistat (Xenical®),
die die Fettaufnahme aus dem Darm blockieren soll, bis hin zu den neuen
serotoninartigen Mitteln (z.B. Reductil®),
die direkt auf das Sattheitszentrum im Gehirn wirken.
Die ersten Ergebnisse belegen jedoch, dass sich der
Fettaufnahmeblocker Orlistat nur bei Fettsüchtigen mit einem
Body-Maß-Index (BMI) über 30 bei gleichzeitig strenger, fettarmer Diät
bewährt. Außerdem macht das Medikament keinen Unterschied zwischen
guten, essentiellen und schlechten, tierischen gesättigten Fetten. Auch
bei den anderen Medikamenten müssen erst umfangreiche klinische Studien
zeigen, ob diese Präparate nebenwirkungsfrei und klinisch erfolgreich
sind. Und ohne eine Ernährungsumstellung hin zu einer ausgewogenen,
gesunden Ernährung, die unseren Körper mit allen notwendigen Nährstoffen
versorgt können Appetithemmer allein keine Gesundheit herstellen.
Machen Sie keine Radikalkuren
Eines der großen Probleme mit Diätprogrammen, die sich einfach nur mit
dem Symptom (Übergewicht) beschäftigen, ist, dass immer wieder der
gegenteilige Prozess einsetzt und Probleme sich mit jedem Male
verschlimmern. Wenn man mit Hilfe eines nicht nährstofforientierten
Programms abnimmt, verliert man zuerst Wasser bei gleichzeitigem Abbau
von Muskelgewebe. Das Nährstoff und Energiedefizit in der Zelle
vergrößert sich und unser Metabolismus wird gedrosselt.
Man fühlt sich zunehmend
müde, schlapp, schlecht gelaunt und trotzdem hungrig.
Geht man nach Beendigung der Diät wieder zu
normaler Ernährung über, so speichern die Zellen sofort alles Fett und
die leeren Kohlenhydrate, man nimmt an Gewicht zu und bringt in kurzer
Zeit letztendlich mehr Gewicht auf die Waage als vor Beginn der Diät.
Muss der Organismus plötzlich auf seine gewohnte Nahrungsmenge
verzichten, schaltet er automatisch alle Systeme zurück. Bei radikalen
Abmagerungskuren sinkt nach ein paar Tagen der so genannte
Kaloriengrundumsatz. Während der Diät wird der Organismus daran gewöhnt,
mit weniger Kalorien auszukommen. Wer dann nach Diätende heißhungrig zu
früheren Essgewohnheiten zurückkehrt, riskiert, dass die überschüssigen
Kalorien noch stärker als vor der Diät in Fettpolster umgewandelt
werden.
Der gesamte Prozess erfährt dann mehrere
Wiederholungen, wobei die Waage letztendlich jeweils progredient mehr
anzeigt als vor Diätbeginn. Dieses Phänomen nennt man den
Jojo-Effekt.
Die Fettmenge, die der Körper dadurch ansetzt, erhöht sich ständig.
Dadurch fällt es wesentlich schwerer abzunehmen, weil Fett im Laufe der
Jahre immer schwieriger abzubauen ist. Gleichzeitig erhöht sich der
Nährstoffmangel, die Grundversorgung mit Nährstoffen verschlechtert sich
zusehends und der biochemische Abnahmemechanismus wird immer
komplizierter. In vielen Fällen treten in diesem Stadium
Gallenbeschwerden auf und emotionale Probleme (z. B. Komplexe, Verlust
des Selbstbewusstseins, Probleme in der Partnerschaft und mit dem
sozialen Umfeld, Depressionen soziale Isolation usw.) kommen hinzu.
Blutgruppendiät
Nachdem die so genannte Blutgruppendiät
(BGD) einige Zeit von vielen Menschen ausprobiert und von einigen Ärzten
empfohlen wurde, ist sie mittlerweile ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.
Ehemalige "Blutgruppenärzte" raten ihren Patienten ausdrücklich von der
BGD ab, da sie Mangelerscheinungen und Unverträglichkeitsreaktionen
beobachtet haben.
Der amerikanische Naturheilkundler Peter D’Adamo hingegen geht davon
aus, dass die Blutgruppen Träger genetischer Botschaften bezüglich der
Ernährungs- und Verhaltensweisen unserer Vorfahren sind, und dass
demzufolge für jede Blutgruppe eine bestimmte Ernährung sinnvoll sei.
Ur-Blutgruppe
Insgesamt gibt es 120 verschiedene
Blutgruppen. Entwicklungsgeschichtlich entstanden sie als
Reaktion auf Seuchen und Infektionen. Durch kleine Unterschiede auf der
Oberfläche von Schleimhäuten und Körperflüssigkeiten zeigten sich
Erreger während Epidemien bei einigen Menschen wirkungslos. So sicherten
die Blutgruppen das Überleben der Menschheit. Nach einer anerkannten
Theorie ist 0 die Urblutgruppe. Die Merkmale der Gruppen A, B und AB
sollen sich später aus 0 entwickelt haben.
Wissenschaft sieht es anders
Mit den Blutgruppen haben sich, laut D’Adamo, auch die Lebensumstände
unserer Vorfahren geändert. Damit weicht er von den wissenschaftlich
gesicherten Erkenntnissen ab. Demnach gehörte die Blutgruppe 0 den
Cro-Magnon-Menschen, die in der Altsteinzeit vor etwa 40.000 bis 30.000
Jahren in Afrika lebten. Sie waren vornehmlich Jäger und Sammler und
lebten von erlegten Großtieren. Nach der Theorie der Blutgruppendiät
vertragen die heutigen 0-Typen daher immer noch vor allem Fleisch gut.
Entwicklung der Blutgruppen
Die Blutgruppe A entwickelte sich wahrscheinlich zwischen 25.000 und
15.000 vor Christus. Die Menschen gaben die Wanderschaft auf und
ernährten sich zunehmend von Agrar-Produkten. Die Blutgruppe B entstand
wahrscheinlich zwischen 15.000 und 10.000 vor Christus im Himalaja. Die
Hauptnahrung der entsprechenden Völker waren Fleisch und Milchprodukte.
AB schließlich entstand erst vor etwa 1000 Jahren durch die Vermischung
der Populationen.
Folgerungen gelten als unwissenschaftlich
Die Verträglichkeit von Fleisch, Kohlenhydraten und Milch soll laut
D’Adamo also in den Urzeiten bestimmt worden sein, in der gleichen Zeit,
in der sich auch die Blutgruppen entwickelten. Die Veranlagung dazu soll
ebenso wie die Veranlagung für eine Blutgruppe auf unseren Genen liegen.
D’Adamo geht aber noch weiter: Außer den entsprechenden Lebensmitteln
ordnet er jeder Blutgruppe bestimmte besonders geeignete Sportarten zu
sowie spezielle Charaktereigenschaften. Diese Folgerungen sind
allerdings durch nichts erwiesen und gelten als unwissenschaftlich
Einwände gegen Blutgruppendiät
Wissenschaftler haben mittlerweile erkannt, dass es zwar Beziehungen
zwischen manchen Krankheiten und Blutgruppen gibt, dass dazu aber alle
120 Blutgruppen mit einbezogen werden müssen, und nicht nur 0, A, B und
AB. Bei Malaria beispielsweise ist die Blutgruppe "Duffy" entscheidend.
So überlebten in Afrika hauptsächlich Menschen der Blutgruppe
Duffy-negativ. Europäer und Amerikaner hingegen sind in der Regel
Duffy-positiv. Auf vergleichbare Weise sind Menschen mit der Blutgruppe
P gefährdet, durch bestimmte Kolibakterien eine Nierenbeckenentzündung
zu bekommen. Menschen, bei denen die Merkmale von P fehlen (sie haben
dann die Blutgruppe p), haben keinen Rezeptor für diese Kolibakterien.
Die von der Blutgruppendiät postulierten Zusammenhänge mit allen
möglichen Erkrankungen von Allergien bis Diabetes sind jedoch mehr als
unwahrscheinlich.
"Metabolic typing"
Ein anderes System, das
ebenfalls mit Typisierungen und Nahrungsmittelverträglichkeiten
arbeitet, ist das "metabolic typing". Mit Hilfe von 350 Fragen wird der
Stoffwechseltypus eines Menschen bestimmt. Unterschieden werden
Langsamverbrenner und Schnellverbrenner, Sympathikustyp und
Parasympathikustyp sowie vier Drüsentypen (Schilddrüse, Eierstock,
Nebennieren, Hypophysen).
Die meisten Menschen sind Sympathikus-dominante und
Schnellverbrenner-dominante Stoffwechseltypen. Man kann aber mit seiner
Ernährung dafür sorgen, die Tendenz nicht weiter zu verstärken.
Blutgruppe und Stoffwechsel
Demnach sind Langsamverbrenner Menschen, die Eiweiße langsam
verbrennen und Kohlenhydrate gut vertragen. Sie besitzen wenig Oxal-Acetat
(Oxalat), ein Zwischenprodukt im Zitronensäurezyklus. Da Oxalat in
kohlenhydratreichen Lebensmitteln vorkommt, sind diese prinzipiell gut
verträglich. Schnellverbrenner hingegen verbrennen Eiweiße schnell. Sie
haben einen Überschuss an Oxalat und sollen sich daher mit
kohlenhydratreichen Lebensmitteln etwas zurückhalten. Hingegen ist
Fleisch gut verträglich. Die Empfehlungen für die Blutgruppe 0
entsprechen im Groben den Empfehlungen für den Schnellverbrenner, ebenso
wie die Eigenschaften der A-Typen mit den Langsamverbrennern
korrelieren. Man kann jedoch nicht zuverlässig aus der Blutgruppe auf
den Stoffwechseltyp - oder umgekehrt - schließen.
Umstrittener Ansatz
Metabolic typing existiert schon länger als
die Blutgruppendiät. Es ist aber ebenso wie die Blutgruppendiät
umstritten. Wie bei der BGD geht es im Wesentlichen darum, ob jemand
Kohlehydrate oder Fleisch besser verträgt. Dies kann man leicht selbst
feststellen, indem man das eigene Ernährungsverhalten und das Befinden
beobachtet.
